Liechtenstein

Walser Sagenweg in Triesenberg.

USA

Beinecke Rare Book and Manuscript Library in Yale.

«In Liechtenstein sind Sagen noch allgegenwärtig und tief im Bewusstsein der Leute verankert. Es braucht für eine Sage ja auch eine gewisse Zeit, bis sie sich an einen Ort setzt und bleibt.»

«In den USA ist das Bildungswesen hochdivers, also sehr vielfältig und nach sozialen Klassen unterschiedlich gestuft. Wo Bildung aber funktioniert, gibt es ein tolles Umfeld dafür.»

Die mündliche Überlieferung zählt zum Bildungs- und Kulturgut eines Volkes. Wesentlicher Bestandteil davon sind Sagen. Stoff oder Motiv einer Volkssage wird gewöhnlich von landschaftlichen und zeitbedingten Eigentümlichkeiten geprägt. Damit hat diese Form der mündlichen Überlieferung immer auch einen Realitätsanspruch und ist mit einem bestimmten Ort verbunden. Auch wir sind eng mit unserem traditionellen Standort Liechtenstein verbunden. Zu gleich sind wir aber auch erfolgreich in neuen Märkten tätig. Damit sind wir zu Hause und in der Welt Ihr verlässlicher Partner.

Prof. Dr. Rainer Nägele

In Triesen / FL aufgewachsen. Dann aber den Sprung über den grossen Teich gewagt, um deutsche Literatur an der Yale University zu unterrichten.

1943

Rainer Nägele wird in Triesen geboren.

1965 bis 1971

Studium in Innsbruck, Göttingen und Santa Barbara.

1971

Dissertation «Formen der Utopie bei Friedrich Hölderlin» an der University of California in Santa Barbara.

1979 bis 2005

Professor für Deutsch an der Johns Hopkins University in Baltimore.

2006 bis heute    

Professor für Deutsche und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Yale University in New Haven.

Kennst Du mich noch?

Prof. Dr. Rainer Nägele lebt und arbeitet als Literaturwissenschaftler an der Yale University. Sein Weg von Triesen dorthin war weit. Doch er spinnt nach wie vor Fäden ins Land seiner Erinnerungen. «Speziell die Geistergeschichten aus meiner Kindheit gehen mir noch immer unter die Haut, sie haben sich eingeprägt. Wir wussten damals einfach, dass unsere Gegend zwischen dem Abend- und dem Morgenläuten den ANDEREN gehört. Manche Sagen sind noch sehr präsent, zum Beispiel die von den Drei Schwestern oder jene von den Tobelhockern.» Wenn er wieder mal zu Besuch in Liechtenstein ist, kann es schon vorkommen, dass ihn jemand auf der Strasse fragt: «Kennsch mi no?» Und dann hat er ihn wieder, den heimischen Dialekt. «Lange Zeit glaubte ich, dass ich im Dialekt nicht alles sagen kann. Heute weiss ich, dass man auch im Dialekt gut über Gefühle reden kann.» Inzwischen ist Rainer Nägele sprachlich zum Grenzgänger geworden und bewegt sich elegant zwischen Englisch, Französisch, Deutsch und seinem heimatlichen Liechtensteiner Dialekt.

Hi, I love you!

Rainer Nägele kam 1968 nach Amerika und hat seither schon an vielen Orten gelebt. «Was mich noch immer überrascht, ist, dass Amerika ein Land der grossen Unterschiede ist, es herrscht eine unglaubliche Pluralität. DIE Amerikanerin oder DEN Amerikaner gibt es nicht.» Der Bogen reicht vom casual eingestreuten, doch meist oberflächlich verwendeten «I love you» bis zu gesellschaftlichen Versteinerungen. «Hier gibt es zum Beispiel auch heute noch Dörfer in Iowa nur mit Schwaben, die alle den alten schwäbischen Dialekt sprechen. Da hat sich anscheinend jahrhundertelang nichts verändert.» Ein Land mit vielen Geschwindigkeiten, ein Ort mit grossen Spannungsbögen. Und trotzdem oder gerade deshalb fühlt sich Rainer Nägele wohl in den USA. Zudem werden ihm hier auch exzellente universitäre Bedingungen geboten. Bei seinen Studentinnen und Studenten in Yale ist er jedenfalls der Grossmeister der deutschen Sprache und Literatur. Eigentlich kein schlechter Aufstieg für einen, der als kleiner Junge noch von Triesenberg auf die Welt hinabgeschaut hat.

Liechtenstein: Herkunft und Geschichte des «lichten Steins» sind schwierig zu begreifen. Klar findet man auf den Kiesbänken des Rheins Steine mit hellem Katzengold oder droben am Falknis noch leuchtende Kristalle. Sonst aber reden die Sagen des Landes anders von den Steinen: von den steinernen Figuren der Drei Schwestern oder von den Tobelhockern an steinernen Tischen.
USA: Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten haben es Sagen viel schwieriger. Die Menschen sind zu mobil für die Entstehung von Sagen. Die junge Demokratie setzte auf Wissenschaft und Aufklärung. Dort, wo das Bildungssystem funktioniert, sind die Bedingungen an den Universitäten viel besser als in Europa.